DSLR Astromodifikation Ja/Nein

Soll ich meine DSLR umbauen lassen oder nicht? 

Eine Frage, die sich vermutlich jeder schon einmal gestellt hat, der sich mit dem Thema Astrofotografie (Langzeitbelichtungen) auseinandergesetzt hat. In den meisten Foren und den sozialen Medien gibt es meist ein ganz klares JA, aber ist das wirklich so klar? 

Um das heraus zu finden habe ich mit meiner neuen Nikon D750 eine Region Sternbild Fuhrmann fotografiert, die ich 2016 bereits mit der Canon EOS 600D(a) abgelichtet habe (2 Serien eine mit IDAS LPS-V4 und eine ohne irgendwelche Filter). Darüber hnaus steht dieses Sternbild direkt über meinem Heimatstädtchen, so dass dort die Lichtverschmutzung am größten ist und ich sehr gespannt war, was sich aus der Lichtsuppe an Daten herauskitzeln lässt.

Ohne LPS-Filter kann ich mit meinem ED APO (f/6) bei ISO 400 gut und gerne 600s belichten, allerdings sieht man dann schon deutlich, wie sich der Himmelshintergrund aufhellt.

Hier ein paar Bilder zum Vergleich, dabei handelt es sich jeweils um einzelne Subframes, also keine fertig gestackten Bilder, sondern einfach das, was als RAW aus der Kamera kommt:

Canon EOS 600D(a) - astromodifiziert - kein LPS Filter verwendet - 600s / ISO 400 / f/6:

 

Nikon D750 - Serienzustand - kein LPS Filter verwendet - 600s / ISO 400 / f/6:

 

und dann noch mal zum Vergleich die Canon EOS 600D(a) - astromodifiziert - IDAS LPS-V4 - 600s / ISO 800 / f/6:

 

Man sieht auf diesen 3 Bildern sehr schnell den Unterschied zwischen einer astromodifizierten Kamera und einer normalen "Serien-DSLR". Sowohl der Flaming Star als auch der Tadpole-Nebula sind auf den Bildern der EOS 600D(a) bereits zu erkennen - es handelt sich dabei keinesfalls um sonderlich helle Nebel, beide haben ca. 10mag Flächenhelligkeit was im Vergleich zum Orionnebel mit seinen 4mag wirklich nicht viel ist und schon mal schnell im Lichtsumpf der Städte untergeht.

Auf den Bildern der D750 sieht man von diesen Ha-Regionen eigentlich nichts, lediglich die helleren Reflexionsnebel im Flaming Star Nebula lassen sich erahnen.

Aber was kann man nun mit diesen Daten anstellen?

Aus den 2 Aufnahmeserien mit der 600D(a) lässt sich schon sehr viel machen, wie man hier sehen kann: Flaming Star Nebula IC 405

 

Die Ha-Regionen kommen detailiert zum Vorschein und dank der Aufnahmen ohne LPS-Filter lassen sich die Sterne mit ihren nartürlichen Farben und vor allem der Reflexionsnebel in IC 405 noch recht gur herausarbeiten.

 Zum Vergleich Nikon D750:

Natürlich hinkt der Vergleich ein wenig, da das Bild der EOS 600D(a) in Summe gut 7,5h belichtet wurde und das dann zur Hälfte mit ISO 800, wohingegen das zweite Bild "nur" 6h bei ISO 400 mit der D750 belichtet wurde und das auch noch mit einer Kamera die im Roten deutlich unempfindlicher ist... Dennoch war ich überrascht, wie viel mehr als nur Lichtsmog in den Bildinformationen steckt. Sellbst die feineren Ausläufer der eh schon schwachen Nebel heben sich leicht vom Hintergrund ab und sowohl der Reflexionsnebel als auch der Tadpole-Nebel wirken in ihrer Mehrfarbigkeit "natürlicher". Dafür wirken die Ha-Strukturen nicht so detailiert wie auf dem ersten Bild.

 

Fazit:

Ich denke, einen Tod muss man sterben, wenn man mit einer DSLR fotografieren will/muss und nicht mit einer gekühlten SW-Kamera. Der Vorteil der Astromodifikation liegt auf der Hand, großflächige Ha-Regionen lassen sich so mit relativ geringem Aufwand recht detailliert aufnehmen. Dank engbandiger LPS-Filter kann man dem Lichtsmog der Städte noch ein Schnippchen schlagen, dafür leiden definitiv die Sternfarben und andere chemische Elemente im Nebel gehen im Einheitsrot schnell verloren.

Der Vorteil der nicht modifizierten Kamera liegt in der natürlichen Farbwiedergabe des Objekts und der Sterne. Zwar musste ich die Daten der D750 in Sachen EBV ziemlich quälen, dafür hält sich aber zum einen das Rauschen in Grenzen und zum anderen blieben auch die Sternfarben erhalten. Aber auch beim Tadpole Nebula kann man hier über Für und Wider streiten. Mit der EOS 600D(a) kommen die kleinen "Kaulquappen", denen der Nebel seinen Namen zu verdanken hat deutlich besser zur Geltung als bei der unmodifizierten D750, die dafür aber die Farben des Nebels und die unterschiedliche chemische Zusammensetzung besser einfängt.

Ebenfalls sollte man sich vor Augen führen, dass der Fuhrmann immer noch im Bereich des Milchstraßen-Bandes liegt und die Anzahl der Sterne entsprechend hoch ist. Durch den engbandigen Filter bei der EOS 600D(a) und der erhöhten Rotempfindlichkeit, musste ich die Daten bei weitem nicht so strecken, wie bei der unteren Aufnahme, wodurch die Sterne in Anzahl und Intensität natürlich deutlich weniger auffällig sind.

Und damit sind wir genau an dem Punkt, wo der Vergleich hinkt. Die Nikon D750 ist eine KB-Kamera mit vergleichsweise riesigen Pixeln (5,95 µm) und einer Full Well Capacity von rund 82ke-, wohingegen die Canon EOS 600D nur 4,3µm Pixel mit einer FWC von etwa 23ke- hat. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch beim Vergleich des Rauschens (Conversion Noise 600D 8,2 zu 1,0 bei der D750) und der Dynamik, die bei der Nikon um 3 EV größer ist als bei der Canon. Die technischen Daten der Sensoren stammen von https://www.dxomark.com/ und http://www.photonstophotos.net/.

Durch den technischen Vorteil des größeren Sensors kann man das Bildmaterial der Nikon deutlich mehr "strapazieren" als die Daten der Canon, was die geringere Rotempfindlichkeit ein wenig ausgleicht.

Unabhängig von den gezeigten Bildern kommt es natürlich darauf an, was ihr vorwiegend fotografieren wollt! Eine astromodifizierte Kamera ist für die Fotografie am Tage kaum noch zu gebrauchen, da die erhöhte Rotempfindlichkeit immer zu einem Farbstich führt, der auch mit einem manuellen Weißabgleich nicht mehr wirklich gut in den Griff zu bekommen ist. Darüber hinaus punktet eine modifizierte Kamera ausschließlich bei Ha-Regionen! Kugelsternhaufen, offene Sternhaufen und Galaxien sind idR. Kontinuumsstrahler, die nur bedingt von einem Umbau der Kamera profitieren und zwar dann, wenn größere Ha-Regionen im Objekt vorhanden sind.

Ich hoffe ich konnte euch mit den Bildern ein wenig helfen eine Entscheidung pro oder contra Astromodifikation zu treffen!

Weiterhin viel Erfolg und klare Nächte!

 

Fragen oder Anregungen? Schickt mir ne Mail, ich würde mich freuen!