Mondfinsternis Beobachtungsbericht

Die Mondfinsternis vom 27.07.2018 war mit einer Dauer (der totalen Finsternis) von rund 103 Minuten die längste des 21. Jahrhunderts und damit schon eines der ganz großen astronomischen Ereignisse unserer Zeit. Als wenn das noch nicht genug wäre, befand sich auch der Mars in Opposition zur Sonne, d.h. er hat seine maximale Helligkeit und war in der Nähe des Vollmondes!

Üblicherweise macht einem dann ja das Wetter, das Equipment, der Terminkalender oder was auch immer einen Strich durch die Rechnung, aber dieses mal passte einfach alles! Stabiles Hoch, ein Freitagabend, sommerliche Temperaturen und Platz auf einem nahegelegenen Acker...

 

 

Wie man auf dem Bild erkennen kann (23:01 Uhr MESZ), hat sich das ganze Spektakel recht knapp über dem Horizont abgespielt - ein Traum für Natur- und Landschaftsfotografen - ich pers. hätte jedoch einen höheren Stand am Hiimmel vorgezogen, aber dafür hätte ich dann erheblich weiter reisen müssen als nur die ca. 7km um freie Sicht Richtung Südost-Süd zu haben. Eben wegen der Horizontnähe an meinem Standort, war der Eintritt in den Kernschatten leider nicht zu beobachten.

 

 

Die erste Sichtung des blutroten Mondes war erst gegen 22:15 Uhr MESZ möglich, etwas mehr als 5° über dem Horizont, mitten in der nautischen Dämmerung und bei bescheidener Transparenz. Der Mond erschien nur sehr schwach im noch hellen Blau des Himmels, wobei die modifizierte Canon 600D(a) am 80er ED APO zu diesem Zeitpunkt schon etwas mehr einfangen konnte als das blosse Auge. Wer das ganze auch mal in bewegten Bilder sehen möchte, sollte sich auch unbedingt meinen Zeitraffer anschauen!

 

 

Ein Wort zum Equipment: Natürlich hätte ich das 8" ACF nehmen können um den Mond formatfüllend auf den Sensor meiner Kamera zu bannen, aber wegen der Horizontnähe und den damit verbundenen Luftunruhen hätte ich mit dem Mehr an Öffnung und Brennweite vermutlich auch nicht mehr Details gewonnen als mit dem leichteren 80er ED APO. Neben dem Gewichtsvorteil fand ich das größere Feld des APOs recht spannnend, da so neben dem "Blutmond", bei hinreichender Dunkelheit auch Sterne sichtbar werden sollten. Montiert war das ganze dann auf meiner EXOS-2 mit Startracker von Bresser.

Mit zunehmender Dunkelheit kam der Mond deutlicher zum Vorschein. Kurz nach seiner maximalen Verfinsterung gegen 22:30 Uhr MESZ war der Mond immer noch von dunklem Blau umgeben, allerdings kamen bereits erste Sterne zum Vorschein. Links im Bild ist der Doppelstern o Cap zu sehen.

 

 

Auch nach dem Ende der nautischen Dämmerung ist der Himmel - astronomisch betrachtet - noch immer nicht ganz dunkel, aber die Details auf dem Mond werden immer deutlicher und die Sterne kommen nach und nach zum Vorschein. 

 

 

Am Rand des Mondes konnte man gg. 22:50 Uhr MESZ bereits eine Aufhellung erkennen, die das Ende der totalen Phase ankündigt. Um 23:13 UHR MESZ war es soweit, das Ende der totalen Verfinsterung war erreicht.

Nebenbei: Die sehr hohe Dauer der Verfinsterung entstand durch den großen Abstand des Mondes zur Erde. Im Durchschnitt bewegt sich der Mond im Abstand von rund 385.000 km um die Erde, am Freitag waren es etwas mehr als 405.000 Kilometer, so dass sich der Mond augenscheinlich etwas langsamer auf seiner Bahn bewegt... Im Gegensatz dazu befand sich der Mars im Abstand von 57,6 Millionen Kilometern für seine Verhältnisse nah an der Erde.

 

 

Die leicht deformierten Sterne sind zum einen auf die vermutlich suboptimale Polausrichtung der Montierung - ohne Polarstern nur mit Kompass und Dosenlibelle - und die Nachführung mit Mondgeschwindigkeit zurückzuführen. Mit den ISO-Werten wollte ich, bei immer noch fast 30°, bei meiner 600D(a) nicht höher gehen und ob der Faszination des Ereignisses habe ich auch keinen Gedanken an eine Kontrolle der Polausrichtung mit zunehmender Dunkelheit verschwendet. Wie dem auch sei, Hauptdarsteller war für mich der Mond, der in den folgenden rund 80 Minuten immer heller wurde und das Rot immer weniger.

Aprospros Rot, warum erscheint der Mond eigentlich rot, wo er doch im Schatten der Erde liegt? Während sich der Mond im Kernschatten der Erde befindet, gelangt langwelliges rotes Licht von der Sonne durch Brechung in der Erdatmosphäre zur Mondorberfläche. Weil das kurzwellige blaue Licht nahezu vollständig in der Erdatmosphäre gestreut wird, gelangt davon nichts zum Mond und es kommt zur roten Einfärbung der Mondoberfläche.

 

 

 

 

Gegen 0:33 Uhr MESZ am 28.07.2018 stand der Mond - immer noch im Halbschatten der Erde - dann wieder in seiner vollen Pracht am Himmel.

 

 

Auch wenn am 21. Januar 2019 die Nächste Mondfinsternis auf uns zukommt, "nur" ca. 60 Minuten totale Verfinsterung, dafür aber als "Supermond" nahe des Perigäums, war es ein besonderes Erlebnis diese Mondfinsternis zu verfolgen und für mich pers. DAS astronomische Highlight 2018!

Hier noch mal ein paar Collagen:

Die Bilder des Mondes entstanden im zeitlichen Abstand von etwa 5 Minuten nach der totalen Verfinsterung.

 

und zu guter Letzt noch einmal das Equipment...

           

 

Im direkten Vergleich zu manch anderem Astrofoto, bzw. dem Aufwand den man für dessen Gewinnung treiben muss (10-Stunden-Belichtung vom Herznebel) handelt es sich hier zwar nur um die Aneinanderreihung von "profanen" Mondfotos, aber für mich war es einfach das Erlebnis der Mondfinsternis, in dieser Länge und mit dem Mars direkt daneben und natürlich die Gesellschaft eines guten Kumpels, das mir vor Augen führt, welch Naturschauspiele um uns herum stattfinden und nicht zuletzt auch, dass es immer schwieriger wird, diese überhaupt beobachten zu können. Selbst in unserer ländlichen Gegend muss man schon geeignete Plätze suchen, die einem solche Ereignisse nicht durch Lichtsiff, Bebauung, Mais, etc. verhageln.

Fragen oder Anregungen? Schickt mir ne Mail, ich würde mich freuen!

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