12V Taukappenheizung im Eigenbau

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Wer kennt das nicht, da ist es endlich mal wieder klar, kein Mond und nach einer guten Stunde ist die Optik zugetaut. Prima!

Jetzt könnte man natürlich in den nächsten Webshop klicken und sich ein Rundum-Sorglos-Heizungspaket bestellen, oder aber man legt selbst Hand an. Abgesehen vom unschlagbaren Preis, hat die Eigenbauvariante meiner Meinung nach einen eklatanten Vorteil ggü. den „fertigen“ Heizungen, denn sie ist auf Eure Optik abgestimmt. Kauft man eine Heizung, die auch noch regelbar ist, mag das auf den ersten Blick von Vorteil sein, aber zu wenig heizen bedeutet dennoch ein Zutauen, wenn auch langsamer, aber die Optik beschlägt trotzdem. Sollte das passieren dreht man die Heizung auf und enttaut so die Optik, bekommt allerdings je nach Teleskop direkt Turbulenzen, die die Abbildungsqualität negativ beeinflussen, wirklich befriedigend klingt das nicht, oder?

Im Handbuch für Sternfreunde, genauer im Kapitel „Die Taukappe und ihre Heizung“ wird eine Heizleistung von 5-10mW pro cm² Öffnung angegeben.

Für die Taukappe meines 80er ED APOs oder meines 80/400er Leitrohres ergibt sich aus der Empfehlung eine Heizleistung von etwa 0,5W wenn man innenliegend direkt die Frontlinse heizen würde. Da ich die Kappe aber von außen heize (Taukappendurchmesser ca. 10cm) habe ich die Leistung doppelt so hoch gesetzt, auf ca. 1W, die Taukappenheizung für das 8“ ACF liefert ca. 3,5W.

Meine Eigenbau-Heizungen habe ich nun seit über einem Jahr (Ende 2014) mit diesen Leistungswerten im Einsatz und seither keine Probleme mehr mit zugetauten Teleskopen.

 


Eines vorweg, auch wenn wir hier über 12V Gleichstrom reden, der von einem Akku geliefert wird,

UNTERSCHÄZT NIEMALS DEN KURZSCHLUßSTROM EINES AKKUS!

Wenn ihr anfangt eine Taukappenheizung selber  zu bauen, es geschieht alles auf

EURE EIGENE VERANTWORTUNG!

 

Ihr benötigt:

Widerstandsdraht nach Bedarf (5m 2,00 - 3,00 €)

Gewebeband (Panzertape unter 5,00 €)

Kabel mit Stecker passend zu eurem Powertank (mit XLR-Stecker 5,00-7,00 €)

Klett-Klebeband (unter 1,00 €)

 


Welchen Widerstandsdraht soll ich nehmen?

Um das zu bestimmen, ein wenig Theorie…

Grundlage ist wie so oft das Ohm’sche Gesetz (äquivalent umgeformt) I = U / R. Da es aber nicht um Stromstärke  geht, sondern um die Heizleistung in Watt (P), und der Widerstand erst noch berechnet werden muss und auch von der Länge der Heizmanschette abhängt, hier die erweiterte Formel:

 

 

 

R ist der Widerstand (Ohm/Meter),

U die Spannung (Volt),

n die Anzahl der Windungen des Widerstandsdrahtes,

D der Durchmesser der Optik (Meter) und

P die gewünschte Heizleistung (Watt).

 

Mit dieser Formel bin ich zu 4 Windungen mit 100 Ohm/Meter für die Taukappenheizung der 80er Refraktoren und 2 Windungen mit 28 Ohm/Meter für das 8“ ACF gekommen.

Bei der Anzahl der Windungen solltet ihr darauf achten, dass es eine gerade Anzahl ist, denn sonst wird es kompliziert die Verdrahtung zum Powertank „stabil“ zu bekommen, denn ihr hättet dann an jedem Ende des Heizstreifens einen Anschluss.

 


Wie baut man nun eine solche Heizung?

Zuerst müsst ihr den Umfang der Taukappe/Objektivs ermitteln. Schneidet euch dann ein ca. 3cm längeres Stück Gewebeband zurecht und befestigt es mit kleinen Nägeln auf einem Holzbrett.

 

Die Nägel auf der einen Seite ca. 1cm vom Rand entfernt einschlagen und auf der anderen Seite 2cm vom Rand entfernt, so dass die Entfernung von Nagel zu Nagel genau dem benötigten Umfang eurer Optik entspricht. Da ihr das Gewebeband später der Länge nach doppeltlegen müsst, solltet ihr nur die Hälft der Fläche vom Gewebeband für eure Windungen nutzen.

An die Stellen, wo ich das Stromkabel mit dem Widerstandsdraht verlöte habe ich ein kleines Stück Gewebetape unter die künftige Lötstelle geklebt.

Nach dem Verlöten bietet es sich an den Widerstand einmal mit einem Multimeter zu messen, so dass ihr sicher sein könnt, dass auch Strom durch die Heizmanschette fließt, ehe ihr das Tape doppeltlegt und damit am Draht keine weiteren „Reparaturen“ mehr möglich sind.

Dann noch ein wenig Klettband auf der einen Seite und das Gegenstück vom Klett auf die andere Seite, einen (in meinem Fall) XLR-Stecker angelötet und fertig ist die Taukappenheizung!

Diese Variante mit 4 Windungen und 100 Ohm/Meter nutze ich im Übrigen auch für meine DSLR-Objektive!

 

Viel Spaß beim Nachbau!

 

 

Fragen oder Anregungen? Schickt mir ne Mail, ich würde mich freuen!